Die Lungenflechte (lobaria pulmonaria)

Nahaufnahme einer grünen, blattreichen Flechte - wahrscheinlich Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) -, die dicht auf einem Zweig wächst, mit unregelmäßig gekräuselten Rändern und einem verschwommenen braunen und grauen Hintergrund. Die Flechte bedeckt den größten Teil des sichtbaren Zweigs.

Hand aufs Herz: Worauf achten Sie bei einem Waldspaziergang? Sind es die Blumen am Wegesrand oder zwitschernde Vögel? Kaum jemand sucht gezielt nach Lungenflechten. Doch wer das Waldbaden liebt, sollte genauer hinsehen: Die seltene Lungenflechte ist das Herzstück unserer Wälder. Als sensibler Bioindikator verrät sie uns alles über die reine Luftqualität. Erfahren Sie, warum dieses Wunderwesen ein Paradebeispiel für den Artenschutz ist und wie es sich seinen Lebensraum im Badener Wald zurückerobert.

Flechten: Das geniale Duo der Natur

Von den weltweit ca. 25’000 bekannten Flechtenarten lassen sich mehr als 1700 Flechtenvarianten allein in der Schweiz entdecken. Flechten (Lichen) zählen zu den Pilzen und existieren in einer Symbiose mit Algen.

 

Täuschend echt: Warum die Lungenflechte ihren Namen trägt

Eine für die Apotheke besonders interessante Erscheinungsform ist die Lungenflechte. Sie hat Ihren Namen aufgrund ihres Aussehens erhalten. Die tiefbuchtigen, teilweise handgrossen Lappen dieser Blattflechte ähneln einer menschlichen Lunge. Im feuchten Zustand ist sie leuchtend grün bis oliv, bei trockenen Verhältnissen wechselt sie zu olivbrauner bis brauner Färbung. Im Fall der Lungenflechte ist die Symbiose zwischen einem Schlauchpilz, einer Grünalge und einem Cyanobakterium (Blaualge).

 

Die Diva unter den Waldbewohnern

Diese Flechtenart wächst auf alten Baumrinden , mit Vorliebe für (Berg-)-Ahorne und Buchen, im Badener Wald auch auf Eschen. Aus den intensiv genutzten Wäldern des Mittellands ist sie, wie zahlreiche andere Flechtenarten, praktisch verschwunden. Im Raum Baden war 1934 die letzte Lungenflechte registriert worden – vermutlich hat neben der Rodung von Trägerbäumen auch die zunehmend schlechtere Luftqualität dazu beigetragen, dass bis 2015 keine weiteren Pflanzen mehr auffindbar waren. Mit ihren hohen Ansprüchen fungiert die Lungenflechte als lebendes Gütesiegel für erstklassige Luftqualität und unberührte, alte Laubwälder.

 

Gelungene Ansiedlung einer «Mimose»

Weil die empfindliche Lungenflechte im Wesentlichen auf niederschlagsreiche, milde bis kühle Lagen beschränkt ist, findet man sie hauptsächlich in ungestörten, naturnahen (Berg-)Wäldern, die niemals völlig abgeholzt wurden. Das Stadtforstamt Baden und die Stadtökologie startete 2015 den ehrgeizigen Versuch  die Lungenflechte im Badener Wald wieder anzusiedeln. Das erklärte Ziel war der Erhalt der Artenvielfalt: 10 Jahre später darf mit Freude ein Erfolg verbucht werden: Insgesamt 86 Lungenflechten an 38 Trägerbäumen wurden durch dieses Projekt wieder angesiedelt. Damit zählt diese Population im Kanton Aargau mit zu den grössten und es wird grundsätzlich ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Lungenflechte geleistet. Zusätzlich dient die Population im Badener Wald als Reservoir für einen Teil des Genpools von Rothrist.

 

Schlussbericht (PDF): Wiederansiedlung der Lungenflechte im Badener Wald (2015–2021)

Natürliche Helferin bei Lungenbeschwerden

Nomen est omen – das gilt bei der Lungenflechte gleich doppelt. Neben ihrer markanten Form überzeugt sie seit Jahrhunderten durch ihre traditionelle Anwendung bei Lungenleiden.

Neben der botanischen Faszination hat sie auch eine medizinische Geschichte – noch heute finden wir in einigen Präparaten gegen Husten oder Lungenbeschwerden Extrakte von Lungenflechten.

Bereits seit dem Mittelalter wird sie bei Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Husten eingesetzt. Die pharmakologische Wirkung beruht unter anderem auf Flechtensäuren , die entzündungshemmend und antibakteriell wirken. Der Bestand im Badener Wald ist zwar dank des unermüdlichen Einsatzes des Projektteams beachtlich – für eine medizinische Nutzung jedoch nicht angedacht.

 

Ein geschütztes Juwel: Warum wir die Lungenflechte bewahren müssen

Trotz ihres Comebacks bleibt die Lungenflechte ein Sorgenkind des Naturschutzes. Da sie nach wie vor zu den bedrohten Arten zählt, steht sie unter dem strengen Schutz der bundesrechtlichen Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV). In der offiziellen Roten Liste wird die «Echte Lungenflechte» als «verletzlich» eingestuft – doch im Schweizer Mittelland ist die Lage noch weitaus dramatischer: Hier steht sie kurz vor dem Aussterben.

Das Hauptproblem ist die moderne Forstwirtschaft: Bäume werden oft gefällt, bevor sich die langsam wachsende Flechte darauf ausbreiten kann. Auch in den Voralpen und im Jura schrumpft ihr Lebensraum, da mit jedem gefällten Trägerbaum die Verbindung zu neuen Revieren verloren geht. Um dieses kostbare Naturerbe für die Zukunft zu bewahren, geniessen heute sämtliche Bestände der Lungenflechte einen besonderen Schutzstatus.

Ein Herzensprojekt: Das Comeback der «Wald-Lunge» im Badener Wald

Nachhaltigkeit und Tradition Hand in Hand. Die Apotheke Wyss pflegt einen engen Austausch mit der Stadtförsterei Baden. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass die Lungenflechte in der Region Baden eine dauerhafte Zukunft hat. Denn das engagierte Projekt zur Wiederansiedelung ist weit mehr als eine einmalige Aktion – es ist eine langfristige Mission für unseren Badener Wald.

 

Herausforderungen und Grenzen

Obwohl die Transplantationen an einigen Standorten gut gelungen sind, zeigt sich, dass das Wachstum der Lungenflechte insgesamt nur langsam voranschreitet. Für eine pharmakologische Nutzung bleibt ihr Zuwachs zu gering. Stattdessen liegt der Fokus des Projekts auf dem ökologischen Wert dieser Flechte und ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt.

 

Bedeutung für die Biodiversität

Mit der Wiederansiedlung der Lungenflechte leistet Baden einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung gefährdeter Arten. Alte Laubbäume als Lebensraum müssen erhalten, abfallende Flechtenteile behutsam transplantiert und Standorte regelmässig überprüft werden.
Das Projekt verdeutlicht, wie durch gezielten Schutz und Pflege ein kleiner, aber bedeutender Teil der einheimischen Natur bewahrt werden kann.

Die Apothekerschaft hat mit ihrem Engagement gezeigt, dass Naturschutz und die Förderung traditioneller Pflanzenheilkunde Hand in Hand gehen können. Selbst wenn die Lungenflechte in ihrer neuen Heimat nicht für Heilmittel genutzt werden kann, bleibt sie ein Symbol für den Einsatz zur Bewahrung unserer natürlichen Artenvielfalt.

Ein Mann mittleren Alters mit kurzen grauen Haaren lächelt in die Kamera. Er trägt eine dunkle Jacke über einem bunt gemusterten Hemd, das an Lobaria pulmonaria, auch bekannt als Lungenflechte, erinnert. Der Hintergrund ist einfarbig dunkelgrau.

Stimme des Reviers: Der Stadtoberförster über das Naturwunder im Badener Wald

Georg von Graefe, Stadtoberförster

In der Anfangsphase von 2015 bis 2021 lag der Fokus auf dem Wiederaufbau einer Population der Lungenflechte. Dieses Ziel konnte erfolgreich erreicht werden. Seither besteht die Aufgabe darin, die Population zu betreuen und langfristig zu erhalten. Dazu gehören regelmässige Bestandskontrollen sowie – falls ein Trägerbaum umgestürzt ist – die Umsiedlung der Lungenflechte auf einen geeigneten neuen Trägerbaum.

Der Aufbau und die Betreuung der Bestände wurden unter anderem durch das Ökosponsoring der Schwanen-Apotheke (Dr. Thomas Strasky) und der Apotheke Wyss ermöglicht.

Unser Engagement für den Badener Wald

Per 2026 entschieden die Apotheke Wyss, in Absprache mit der Schwanen Apotheke, sich für ein neues Projekt: «die Förderung der Birke im Badener Wald» zu engagieren. Gerne berichten wir zu einem späteren Zeitpunkt über dieses neue, faszinierende Herzensprojekt.

Ein Atemzug voller Leben

Ob Sie nun gezielt nach den fünf Standorten unserer Lungenflechte suchen oder einfach bald die ersten Frühlingsboten geniessen: Gehen Sie raus in die Natur, in den Badener Wald! Atmen Sie tief ein und lassen Sie die Seele baumeln. Es ist ein wunderbares Geschenk, wie all das, was um uns herum wächst und uns grosszügig mit frischem Sauerstoff versorgt. Der Wald ist nicht nur Kulisse – er ist unsere Kraftquelle.

Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen.

Ihr Apotheke Wyss Team

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